So sieht das aus, wenn “Wirrköpfe”, “Spinner”, “Extremisten”, “Gesellschaftsspalter”, “Verschwörungstheoretiker” und “Demokratiefeinde” (O-Ton ARD, Spiegel, Zeit…u.a.) auf die Straße gehen – nicht “nur” für die Freiheit, sondern für Differenzierung, Maßhalten, Kritik äußern dürfen, Skepsis, Verhältnismäßigkeit und Transparenz, Selbstbestimmung, körperliche Unversehrtheit. 

Für all das treten die Menschen hier ein. Friedlich, bunt, freundlich, manche auch wütend, dennoch gewaltfrei, manche humorig, manche in verrückten Kostümen, und ja, auch mal einer mit Alu-Hut. Und? Ich habe auf Karnevalsveranstaltungen schon Schlimmeres gesehen. Die Gedanken sind frei. 

Horizonterweiterung, Auseinandersetzung, Debatte, echter Diskurs bedeutet Zuhören. Nachvollziehen. Die eigene Meinung argumentativ begründen. Sich Auseinandersetzen. 

Bei der Gelegenheit: wer sich einmal wirklich auseinandersetzen möchte, statt nur anderen Meinungen nachzuplappern, dem empfehle ich, diesem jungen Mann, eine der als “wirr”, “spinnert” und “extremistisch” diffamierten Stimmen, das Ohr zu schenken. 

Wer keine Geduld hat (auch wenn ich diese wirklich wärmstens empfehlen würde, und sich das ganze Interview anzusehen), der höre ihm wenigstens ab Minute 14 aufmerksam zu. 

Es geht nicht ums Überzeugen und eine einzige richtige Meinung.

Es geht um politische Teilhabe als Bürger, um Differenzierung und Relativierung – die Welt ist nicht schwarz-weiß, eine wirkliche, eine echte, lebendige Demokratie, die nicht nur auf dem Papier besteht, lebt von der Auseinandersetzung und Meinungsvielfalt – und von der aktiven Beteiligung ihrer Bürger an politischen Entscheidungen.

Die Gesellschaft ist vielfältig, so wie jeder einzelne Mensch etwas Besonderes ist. Sie besteht aus Träumern, Utopisten, Hippies, Konservativen, Rationalisten, “Ver-rückten” – aber was ist schon verrückt und wer entscheidet das? Ich kenne Menschen mit attestierten mentalen “Störungen”, die sehr viel empathischer, rücksichtsvoller und liebevoller sind als so mancher “Normalo”. Sie besteht aus Aktivisten, Passiven, Beobachtern, Mitläufern. Und ja, auch aus Spinnern, aus Extremisten, ja sogar Soziopathen und Psychopathen – von denen es, wie DIE ZEIT 2014 noch aufklärte, auffällig viele in leitende Positionen schaffen, oder als “narzisstische Psychopathen bevorzugt in die Wirtschaft gehen”. Einige landen dann auch mal in der Politik – aber auch ein Donald Trump “Schrei[t nur] nach Liebe”.

Eine gesunde Gesellschaft, die getragen ist von Selbstbestimmung, Freiheit, Gerechtigkeit, Liebe und Vernunft, hält sogar diese Menschen aus. 

Ich bin mit Sicherheit nicht mit dem gesamten Meinungsspektrum eines jeden einzelnen Demo-Teilnehmers zu  100% einer Meinung, ich stimme ja nicht einmal mit meiner eigenen Meinung zu 100% überein, denn ich lerne jeden Tag meines Lebens etwas Neues. Nicht jedes Schild auf den Demos würde ich so schreiben oder unterschreiben. Solange die Menschen, die ihre Meinung vertreten, keinem schaden, kann ich sie aber akzeptieren oder zumindest so stehen lassen. 

Es gibt auch nicht “die eine Meinung”. Eine freiheitliche Gesellschaft lebt von der Vielfalt ihrer Mitglieder. Sie lebt vom Austausch und der Auseinandersetzung. 

“Jede Information eine Bereicherung.” 

– las ich vor ein paar Wochen in einem Facebook Thread. Sehe ich auch so. 

Auch wenn wir im Einzelnen vielleicht unterschiedliche Weltansichten, Ideologien, Philosophien, Meinungen haben, teilen wir, die hier im Protest Vereinten, dennoch einen Konsens: wir leben die Demokratie. Für diesen Konsens sind wir hier. Wir treten gemeinsam, in all unserer Verschiedenheit, für Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit an. Wir positionieren uns bewusst gegen Extremismus – was aber extremistische Menschen nicht abhalten kann, unseren Protest vielleicht zu stören oder ihn für sich zu instrumentalisieren. 

Ein mündiger, informierter und differenzierter Bürger kann derlei Ideologien einordnen und sich von ihnen distanzieren.

Eine wehrhafte Demokratie hat ermächtigte und mündige Bürger, die sich nicht einfangen lassen. Die kritisch sind, die skeptisch sind, die Motive hinterfragen. Genau das tun sie gerade – nur, dass dies eben konträr zur Regierung läuft, und dieser das offenbar nicht zu passen scheint.

Viele Menschen hinterfragen nicht einfach nur die Sinnhaftigkeit der Pandemie-Maßnahmen – sondern kritisieren unser System als Ganzes. Ein System, das auf Ausbeutung unseres Lebensraumes und Vieler zur Bereicherung Weniger beruht. Sie stellen unangenehme Fragen, wem das alles nützen mag (übrigens auch nicht erst seit “Corona”, sondern auch in den zahlreichen Protesten gegen Kriege, Aufrüstung, Umweltverseuchung, Steuerverschwendung usw usf. der letzten Jahrzehnte). Nicht alles davon sind wirre Theorien – vieles ist auch Common Knowledge, das jeder findige Schüler zusammengooglen oder – vielleicht mal wieder eine aufsuchen – sich in einer umfangreichen Bibliothek zusammensuchen kann. Die Punkte zu verbinden obliegt dann jedem selbst, aber Lobbyismus, Wirtschafts- und Finanzinteressen, Machtverwebungen zwischen Politik und Wirtschaft – das alles gibt es nicht erst seit “Corona”.

Den Staat einfach kommentar- und kritiklos machen zu lassen, war noch nie eine gute Option.

Es wurde Zeit in diesem Land, dass die politische Kritik einmal wiederbelebt wird – und zwar eben genau nicht nur von extremistischen Anti-Demokraten, die das demokratische System für ihre Zwecke missbrauchen, sondern von den Menschen, die wirklich hinter den Grundrechten stehen. Nur weil der Regierung deren Meinung nicht gefällt, weil sie für sie selbst unbequem wird, sollte sie diese Kritik nicht diffamieren, sondern unterstützen, denn bürgerliche Teilhabe sollte im  Interesse der sogenannten “Volksvertreter” sein. Aber es ist eher die Regel als die Ausnahme in der Geschichte der Menschheit und auch der BRD, dass Regierungs-konträre Meinungskundgebung auszuschalten versucht wird. Hierfür genügt ein nicht allzu langer Blick in die Geschichtsbücher.

Jede Demokratie braucht den kritischen, den kleinen Widerstand, damit der große Widerstand gar nicht erst notwendig wird. Wenn man davon ausgeht, dass in den politischen Institutionen dieser Republik noch demokratische, verfassungstreue Menschen sitzen, sollte man annehmen können, dass diesen der Bürgerprotest Willkommen sein müsste, ist er doch ein – wenn auch unangenehmer – essentieller Teil dessen, wofür sie angetreten sind – nicht wahr?

Oder doch nicht? Ein Schelm, der Böses denkt…

Die Demokratie ist nicht einfach da und bleibt dann für immer. Sie muss gelebt werden, sie muss ausgeübt werden, manchmal muss sie sogar verteidigt werden.

Wehret den Anfängen, stand auf meinem Schild. Dafür bin ich hier.

“Man schiebt den Infektionsschutz vor, um Widersprüche, Meinungsäußerungen, Protest usw. zu unterbinden. Das ist nicht demokratisch.” – Thomas Moser, ARD Radiojournalist

und

“Das Exempel ist einmal statuiert, dass man der Bevölkerung Freiheitsrechte in großem Maße nehmen kann, und [diese] das doch recht gleichgültig hinnimmt.” – René Schlott, Zeithistoriker

Zwei Stimmen auf einer der ersten “Hygiene-Demos” in Berlin Ende März / Anfang April, hier in einer sehenswerten 3Sat Kurz-Doku.

In seinem heutigen Newsletter schrieb Heribert Prantl, Autor, Jurist und Journalist, der sich seit Jahrzehnten u.a. vielseitig gegen den Faschismus einsetzt, und dem in der Verleihungsurkunde des 1994 an ihn verliehenen Geschwister-Scholl-Preises attestiert wird, seine „klare Stimme“ sei „in der deutschen Publizistik ohnegleichen“, folgendes:

“In der Corona-Krise haben mir Leute gesagt und geschrieben: “Übertreiben Sie es nicht mit Ihrem dauernden Rumreiten auf Demokratie und Grundrechten, lieber Prantl!” Ich habe geantwortet: “Kann man es als Demokrat mit der Demokratie übertreiben?”

Die Hetzer, Verleumder und Pauschalisierer (anders kann man sie nicht bezeichnen, und was vor allem große Medien da veranstalten, erinnert an das Springer-Gebaren während der 68er Bewegung….) sollten sich eines bewusst machen:

Wer für das Grundgesetz steht, steht gegen Faschismus, Ausgrenzung und Totalitarismus jeder Form.

Wir, die Demokraten des Protestes, wissen das. Wir gehen genau dafür jeden Samstag (und an anderen Tagen) auf die Straße. Viele von uns verbringen ihre gesamte Freizeit damit, zu recherchieren, zu organisieren, zu schreiben, zu kommunizieren, zu diskutieren, zu relativieren, zu demonstrieren. 

Ja, es machen sich dieser Tage auch Spinner und Wirrköpfe Luft, es gibt auch dieser Tage hysterische, ausgrenzende, wahnwitzige Meinungen. Heuchlerische Stimmen, die eigentlich weder Gleichheit noch Freiheit für alle im Sinn haben, bedienen sich des Grundgesetzes und schwingen sich zu angeblichen Verteidigern desselbigen auf. Die gab es auch schon vor “Corona”, und auch einige Verschwörungs-Idiotien beweisen ebenso eindrücklich wie einige eigentlich “renommierte” Medien und journalistische Autoren, die dem, was sie da als “irre” kritisieren, auch noch eine Plattform geben, dass es vor allem um Klickzahlen geht – und je verrückter die Aussage, umso höher der Klickwahn.

Mit journalistischer Objektivität und Berufsehre hat das nichts zu tun, und auch das ist ein alter Hut: auch die ach so unabhängigen Medien sind abhängig vom Geld. Die Titel und Schlagzeilen der letzten Jahrzehnte beweisen, dass dabei öfter Objektivität und Ehre in die allerletzte Reihe verwiesen werden.

Echte Meinungs- und Wissensbildung sieht anders aus – alle Menschen, die derzeit für Demokratie und Freiheit auf die Straße gehen, in dieselbe Schublade zu stecken, ist gefährlich, und dass dies auch von der Regierung und den Leitmedien praktiziert wird, gibt mir die Bestätigung, dass es allerhöchste Eisenbahn ist, dass die Bürger sich auf die Straße begeben – vor allem die echten Demokraten, die echten Freiheitsverteidiger, die Vernünftigen, die, die mit ihrem Mut und ihrer Zivilcourage für die Gesamtheit unserer Grundrechte stehen. Denn sie sind am Ende diejenigen, die zwischen Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit und einem autoritären, totalitären Staat und dessen Vertretern stehen.

Sie sind die Garanten unser aller Freiheit.

Ich behaupte, oder vielmehr hoffe ich es inständigst, dass wir die Mehrheit sind, wenn auch ein großer Teil von uns noch stumm ist, sich noch nicht auf die Straße traut oder anderweitig die Stimme erhebt. Die pauschalen Diffamierungen machen es diesen Menschen nicht einfacher, all ihren Mut zusammenzunehmen und aus der Passivität hervorzutreten.

Auch wir sind die Stimme des Volkes – die friedliche, besorgte, skeptische, kritische Stimme. Statt uns zu verunglimpfen, sollte man uns zuhören, sich mit uns auseinandersetzen und mit uns debattieren. Das ist gelebte Demokratie – nicht pauschal jeden zu verunglimpfen und verbal zu verhetzen, der nicht die Meinung der Regierung und der Tagesschau vertritt – das “wäre” Diktatur…nicht wahr?

Demokratische Grüße.

Ich möchte der Dresdner Polizei übrigens einmal meinen Dank aussprechen – nachdem sie sich zuerst auch sehr einschüchternd und Macht-demonstrativ aufgestellt hat (zumindest für mein sensibles Gemüt und das vieler anderer), zeigt sie hier endlich, dass man mit friedlichem Protest ebenfalls besonnen und kooperativ umgehen kann. Vielleicht eine Inspiration für die Kollegen anderswo…

Einordnung und Disclaimer

Author

Fighter for Freedom. Spiritual Seeker. Creator & Founder of FREE YOUR WORK. Business & Purpose Coach for meaningful work and wholehearted businesses. Outdoor Addict - nature is my home and happy place. Wild at heart and weird on top.